BIKE-WEEKEND 11./12. Juli 1998 der Skiriege Killwangen
Bericht von Andrea Meier & Barbara Obrist
Org. Xandi Zurkinden

Wie auch ich die Klewenalp erreichte oder die Geschichte eines verkannten Freundes !
TAG 1:
Es fing schon gut an. Nachdem ich sowie nur 1 x pro Jahr an die frische Luft komme, musste es auch noch regnen. Das hatte ich nicht verdient. Na ja, Regen macht ja bekanntlich noch schöner !
Da standen wir nun am Bahnhof in Killwangen. ???? Drahtessel aller Farben und Grössen in Reih und Glied neben unseren Herrchen und Frauchen und beschupperten uns ein erstes Mal. Das würde sicher noch einige Machtkämpfe um den Bergpreis geben ! Ich hoffte nur, mir würde es dieses Jahr erspart bleiben nach dem Weekend im Brockenhaus zu landen !
Nach der Begrüssungszeremonie lud uns der liebe Präsi eigenhändig in den Bus was natürlich viel luxuriöser im Vergleich mit den Torturen bei der SBB war. Nur dachten wir: Wieso machen die ein Bike-Weekend, wenn sie zuerst den Zug nehmen ? Die Sportler eben !
Nach der Plauderstunde in Zug und Postauto stiegen sie dann noch frohen Mutes aus. Die hatten die Steilwand noch nicht im Visier. Wir aber schon und ich wusste mein "Chef" würde bald seinen Super-Spruch "Ich chere um !" loswerden. Das trat nach kurzer Zeit auch prompt ein. Die Spitzengruppe und der Führung der Regensburgers, Zurkindens und Meiers war schon lange davon gezogen. Mir blieb mit meinem lahmen Herrchen nur die "Ladies Bike Gruppe" wo sich die neue Frau Meier und die Super-Sportlering Babs endlose Führungskämpfe lieferten, denn deren grösste Konkurrentin die Frau Raab war unterdessen auch alleine auf weiter Flur.
"Es schiesst mich a !" "Neu, chum Wolfi, es sind sicher nur no es paar Meter!" "Nei schiesst mich a, ich gange mit em Bähnli ufe !"
Gottseidank, gibts auch in der Innerschweiz lauschige Bänkchen im Wald. Vor uns stand eines, und Wolfi konnte beruhigt werden.
Nach kurzer Pause gings dann munter weiter - geschoben wurde ich ab jetzt natürlich leise ! Was für eine Wohltat für ein Bike ! Vorallem bei meinem Herrchen der in Grösse und Breite sich schon oft auf meinen stabilen Rahmen verlassen konnte ! Wenn der nur besser wüsste, was er an mir hat !
"Hei en Spunte !!!! So die erlösenden Worte der lahmen Babs, die seit etlicher Zeit jeder reifen Tomate Konkurrenz machte. Die Spitzengruppe sass natürlich schon beim zweiten Doping-Drink und schmunzelte ob der letzten paar Biker mit ihren langen Zungen.
"Hey Wolfi, mag dis Bike nüme ?" ..... "Ja es scho, aber ich gange mit em Bähnli" ? "Es giht keis zrug meh - der Berg ruft ?" "Scheisse, ich chome nie meh an en Biketour mit " ... "Ja, ja, bis du dich snächschte Johr wiede ameldisch!"
Bevor es richtig Puff gab sprach der Präsi sein Machtwort und alle hatten zum Brötliplatz anzutraben, wo bei Speis und Trank die Bratwurst zur "Energy-Wurst" umbenannt wurde (was für eine werbeträchtige Vermarktung).
Die Spitzenleute wie z.B. Rägi hatten nach kurzer Zeit schon wieder das Reissen zum Gipfelsturm vor Augen. Ohne Probleme schwangen sie sich auf ihr Rad und kämpften sich Meter für Meter weiter. Am Schluss natürlich wieder dieselbe Gruppe, die sich Zentimeter für Zentimer dem Ziel näherten. Doch mein Herrchen Wolfi wurde nach dem Essen schneller (ja, ja was so eine Energywurst ausmachen kann !). Endlich konnte ich mich wieder einmal als Velo fühlen. Er führte mich richtige zügig hinauf.
Babs und Andrea nahmens weiterhin gemütlich. Das tratschen war ja auch wichtig. Und bei soviel Getraschte kann schon mal die Luft wegbleiben ! Dank Beats Winken fanden dann auch diese beiden Damen das Nachtquartier noch, wo Bier und Kafi Lutz in rauhen Mengen und eine eiskalte Dusche (trotz Warmwasserangebot von 50 Rappen für 25 Sekunden) über die Strapazen hinweghalfen ! Unsere beiden Super-freaks Xandi und Rägi konnten es natürlich nicht lassen und brachen nochmals frohen Mutes zur Abfahrt der schwarzen Piste auf, um den Kamikaze grösste Konkurrenz zu zeigen- aber wenigstens hatten sie nachher was zu erzählen - uns anderen stockte fast der Atem ob deren Räubergeschichten !
(eigentlich war ja Sommer)
Mit Röschti & Geschnetzeltem wurden auch die müdesten Biker wieder geweckt, was anlässlich der hitzigen Diskussionen zum WM-Fussballmatch lautstark zum Ausdruck kam.
Geschnarcht wurde zusammen im gleichen Raum. Gottseidank war das Fenster offen, den die diversen Fürzchen taten das ihrige zur Luftverschmutzung in den Bergen dazu !
TAG 2:
Babs zu Xandi: "Gäll, aber hut gohts nur no bergab! "Aber sicher doch, hüt isch nur noch Schoggi!" Doch Babs ahnte schlimmes !
Spätestens beim feinen Birchermuesli wurden auch die müdesten unter uns Bikern wieder wach. Ob bergauf oder bergab war da keine Thema mehr. Auch mein Herrchen W. hatte keine Probleme sich auf mich zu schwingen. Aber o weh ! Der Allerwerteste war nicht in allerbester Verfassung ! Wahrscheinlich bei allen nicht.

Aber nach den ersten holprigen Metern talwärts gabs nur noch Aussicht zu geniessen. Körperliche Wehwehchen hatten da keine Chance mehr. Alles strahlte nur so um die Wette. Am liebsten wären sowieso alle direkt geradeaus zum Vierwaldstädtersee geradelt und nach einem Wahnsinnssprung im Wasser gelandet.
Am Ausgangspunkt unserer Tour angekommen, musste natürlich zuerst mal gedopt und schleunigst ein Sonntags-Blick aufgetrieben werden. Auch Wolfi und Babs stöhnten mal nicht ob der Steigungen. Beim Panaché waren sie voll dabei ! Auch ich armes Wolf-Bike machte mir wieder Hoffnungen, nicht im Brockenhaus zu landen !
Aber dann gabs wieder ein Trauma für Babs. Die erste Steigung des Tages ! Die Spitzenfahrer (die gleichen natürlich wie am ersten Tag, also von Xandi über Rägi zu Beat und den Youngsters) hatten wieder was zu lachen. Nach der letzten Steigung schmiss sie sogar ihr Velo (eigentlich gehörts ja Völgi !!!) ins Kies. W. trat wie verzaubert in die Pedalen - ob ihm das radeln doch gefällt ! Ich glaubte immer noch nicht an eine Abschiebung !
Bei Traumwetter trafen unsere fröhliche Gruppe um die Mittagszeit am Wasser ein. Wies sich für uns gehört natürlich bei einer lauschigen Gartenbeiz. Die nächste Dopingrunde war angesagt. Man musste ja noch die lange Heimreise überleben ! Von Menu bis Coup wurde alles quer durch den Gemüsegarten probiert. Verdient hattens wir uns ja !
Nur bis dieser Kahn endlich kam. Und dann war er noch voller knipsender Touristen. Doch die Fahrt entschädigte voll und ganz. Sogar unseren stolzesten und geschichtsträchtigsten Flecken Schweiz bekamen wir zu Gesicht - das Rütli. Es war fast wie früher auf der Schulreise.

Nach dem nächsten Umsteigen auf die Bahn in Luzern wurde es langsam ruhiger. Die Strapazen der letzten beiden Tage waren allen anzusehen. Geschundene Körper mit Schweissfüssen teilten sich ein Abteil bis nach Hause.
Wir Bikes waren ebenfalls stolz. Keine Brüche, Platten und Blessuren mussten wir erleben. Alles ging glatt und dank unserer Hilfe schafften auch alle Herrchen und Frauchen den Berg.
Wir möchten nächstes Jahr alle wieder gehen !
P.S. Dem Schreiberling dieser Geschichte ist zu Ohren gekommen, das Wolfi sein Bike nun doch verscherbelt hat. Uns dann noch eins mit einem speziell grossen Rahmen. Schäm dich !
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