Holzbrücke

Der Flussübergang über die Limmat war einer der wesentlichen Faktoren bei der Entstehung der Stadt Baden. Noch bevor an der Stelle eine Brücke erbaut wurde, bestand der rechtsufrige Brückenkopf, der vielleicht schon im 11., jedenfalls aber im 12. Jahrhundert einen Fährbetrieb gewährleisten und die damit zusammenhängenden Zölle einziehen musste. Die heutige Brücke hatte mindestens fünf Vorgängerinnen, deren wahrscheinlich erste 1242 erwähnt wird. 1649 erstellten die Brückenbaumeister Hans Schüep aus Schönenberg und Michael Egger aus Bremgarten eine konstruktiv sehr bemerkenswerte pfeilerlose Brücke, die allerdings 1799 durch die Truppen General Massénas zerstört wurde. Nachdem als Ersatz zunächst nur eine Notbrücke erstellt worden war, unterbreitete Werkmeister Johann Grubenmann d.J. von Teufen 1802 der Gemeindekammer verschiedene Projektvarianten für einen Neubau. In den Jahren 1807/08 zeichnete der Zürcher Werkmeister Konrad Stadler im Auftrag der Stadt ein Projekt, während gleichzeitig der Badener Baumeister Lang ohne Auftrag ein Brückenmodell anfertigte; ein weiteres Projekt bestellte die Gemeindeversammlung 1808 bei Baumeister Blasius Balteschwiler aus Laufenburg. Eine Kommission auswärtiger Experten, welche die Projekte von Stadler, Lang und Balteschwiler, wie auch einen weiteren, ohne Aufforderung eingereichten Plan von Johann Grubenmann zu beurteilen hatte, entschied sich für Balteschwilers Projekt. Dieses wurde in den Jahren 1809/10 ausgeführt. 1841 und 1894 erhielt die Brücke neue Dachschindeln; 1854 wurde das Dach mit heute nicht mehr vorhandenen Oblichtern geöffnet. Im Jahr 1939 wurde das Dach neu mit Biberschwanzziegeln eingedeckt, und die Schindeln der Aussenwände erhielten einen Ölauftrag anstelle des vorherigen Anstrichs. 1968 wurde die seit 1947 unter Denkmalschutz stehende Brücke saniert, wobei man unter anderem die Fahrbahn durch einen Metallrost ersetzte. Eine nächste, durchgreifende Sanierung folgte 1997. Dabei wurde das Tragwerk mit Stahlprofilen verstärkt und die Fahrbahn ersetzt; der Schindelschirm an der Nordseite wurde repariert, während die durch das Sonnenlicht geschädigte Südwand neu verrandet wurde. Eine zunächst erwogene Wiederherstellung der ehemals grauen Farbfassung wurde nicht umgesetzt.

Mit ihrer prominenten Lage an der engsten und gleichzeitig gut kontrollierbaren Stelle der Felsklus bildet die gedeckte Holzbrücke eine der wichtigsten Konstanten im Badener Stadtbild. Ihre Widerlager lehnen sich beim Landvogteischloss direkt an den Felskamm an, während sie in der gegenüberliegenden Stadtbachsenke stärker aufgemauert sind; sie stammen noch vom Vorgängerbauwerk von 1649. Über den Flusslauf spannt sich ein doppeltes Hängewerk, das durch gespreizte Streben sowie verzahnte und verschraubte Spannriegel getragen wird. Die Streben liegen nicht am Ufer auf, sondern im Streckbalken der Brücke, der deswegen auf seiner Unterseite beidseitig durch schräggestellte Balken abgesprengt ist. Beidseitig sieben Hängesäulen, die zangenartig Streben und Streckbalken umklammern, dienen zur Aufhängung der Unterzüge. Die ursprünglich aus Querbalken bestehende Fahrbahn zeigt heute einen Gussasphaltbeleg über Fichtenholzlamellen. Durch Andreaskreuze zwischen den Unterzügen, zwischen die Säulenpaare verzapte Bindehölzer und halbkreisförmig geschnittene Büge wird das Tragwerk der Brücke gegen Verwindung und seitliches Ausscheren stabilisiert. Das Balkengerüst des Spreng- und Hängewerks ist ganzflächig verschalt, so dass die Brücke von aussen als geschlossenes Bauwerk erscheint, dessen Unterseite korbbogig ausgeschnitten ist. Die mit Schindeln verrandeten Aussenwände waren ursprünglich steinfarbig gestrichen; in den beiden mittleren Jochen zeigen sie halbkreisförmige Öffnungen, deren Jalousien nach dem Muster von Thermenfenstern unterteilt sind. Ein ursprünglich ebenfalls mit Holzschindeln, heute mit Ziegeln eingedecktes Dach schützt das Balkenwerk vor den Witterungseinflüssen. Auf beiden Seiten abgewalmt, trägt es auf seinen Firstenden zwei Empire-Urnen aus Kupferblech.

Quelle: Onlinearchive Kanton Aargau

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